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Platform Engineering·22. September 2026·10 min Lesezeit

Die Release Waves enden. Wo steht ab November, was neu ist?

Am 15. November wird der Release Planner abgeschaltet. Ich habe alle 1768 Einträge der neuen Roadmap geladen und nachgezählt: Power Apps und Dataverse kommen darin nicht vor. Der Kanal, der Änderungen heute wirklich meldet, hängt an einer Administratorrolle.

Der Stand am 22. September 2026: 54 Tage bis zur Abschaltung des Release Planners, null Einträge zu Power Apps in der Quelle, die ihn ersetzen soll.

Am 15. November 2026 wird der Release Planner abgeschaltet. Ein Release Wave 2 für 2026 gibt es nicht mehr, neue Release Plans erscheinen seit September nicht mehr auf Learn. Das steht so in der Message-Center-Meldung MC1461529 vom 25. August 2026, und es ist mehr als eine Umbenennung: Das Modell, nach dem sich die Power Platform seit Jahren angekündigt hat, hört auf zu existieren.

Was an seine Stelle tritt, heißt AI at Work roadmap — die umbenannte Microsoft-365-Roadmap. Dort sollen Dynamics 365, Power Platform und Dataverse künftig gemeinsam mit Microsoft 365 stehen.

Statt die Ankündigung nachzuerzählen, habe ich die neue Quelle benutzt. Sie hat einen MCP-Server, der ohne Anmeldung und ohne Lizenz antwortet. Also habe ich den kompletten Bestand geladen und nachgezählt, was von der Power Platform darin steht.

Die Antwort ist kürzer, als mir lieb war.

Was man zuerst sieht

Man geht auf die neue Roadmap, sucht den Produktfilter und stellt ihn auf Power Apps. Power Apps steht nicht in der Liste. Man versucht es mit Dataverse — auch nicht da. Power Pages, Power BI: nichts.

An dieser Stelle hält man sich für zu ungeschickt und sucht den Fehler bei sich. Ich habe den Filter zunächst für kaputt gehalten.

Was wirklich dahintersteckt

Der Bestand lässt sich vollständig laden, seitenweise, fünfzig Einträge je Seite. Am 21. September 2026 waren es 1768 Einträge. Davon gehören 32 zu einem Produkt aus der Business-Apps-Welt — 1,8 Prozent.

Der vollständige Bestand der neuen Roadmap nach eingetragenem Produkt: Power Apps, Dataverse, Power Pages und Power BI stehen bei null, Copilot Studio bei 22.

Der Filter ist also nicht kaputt. Es gibt schlicht nichts zu filtern.

Die beiden Einträge unter „Power Automate” sind nicht einmal eigene Themen: Es ist ein SharePoint-Eintrag über einen Trigger für Formulare und ein Copilot-Eintrag über Dokumentenerstellung. Beide führen Power Automate nur mit.

Damit der Befund nicht an der Beschriftung hängt, habe ich dieselbe Frage über die Volltextsuche gestellt: „Power Platform” null Treffer, „Power Pages” null. „Power Apps” liefert zwei Treffer, aber das sind ein Purview- und ein Microsoft-365-Eintrag, die den Namen im Fließtext erwähnen. „Dataverse” liefert zwei Copilot-Einträge.

Das ist keine Nachlässigkeit, sondern der Fahrplan. Die Meldung sagt: Neue Einträge ab September direkt in der neuen Roadmap, bestehende mit Termin ab dem 1. Juni 2026 „im Herbst”. Der Umzug läuft also noch — er hat nur ein Produkt erreicht.

Der Fahrplan von der Ankündigung bis zur Abschaltung: Copilot Studio ist umgezogen, Power Apps, Power Automate, Power Pages und Governance noch nicht.

Man sieht es an den Learn-Seiten selbst. Die Seite mit den geplanten Funktionen für Copilot Studio leitet bereits auf die neue Roadmap um, mit vorgesetztem Filter. Die Seiten für Power Apps, Power Automate, Power Pages und Governance liefern weiterhin ihre eigene Tabelle:

power-apps        HTTP 200  -> learn.microsoft.com/.../2026wave1/power-apps/planned-features
power-automate    HTTP 200  -> learn.microsoft.com/.../2026wave1/power-automate/planned-features
power-pages       HTTP 200  -> learn.microsoft.com/.../2026wave1/power-pages/planned-features
copilot-studio    HTTP 200  -> microsoft.com/en-us/microsoft-365/roadmap?filters=...

In diesen vier Tabellen stehen zusammen 78 Funktionen, davon 33 mit einem Verfügbarkeitstermin ab Juni 2026. Genau die müssten laut Ankündigung umziehen. Angekommen ist bisher keine davon.

Die naheliegende, aber falsche Lösung

Der erste Gedanke: Dann abonniere ich eben den Feed der neuen Roadmap und filtere auf mein Produkt. Es gibt einen RSS-Feed, er antwortet, und er ist als Abonnement unbrauchbar.

Er ignoriert jeden Filterparameter. Ob man ?product=, ?search= oder ?filter= anhängt, spielt keine Rolle — zurück kommt immer der gesamte Bestand:

ohne Parameter                                  1775 Einträge
?product=Power%20Automate                       1773 Einträge
?search=Copilot%20Studio                        1775 Einträge
?filter=products/any(p: p eq 'Copilot Studio')  1775 Einträge

Ein Feedreader bekommt also 1775 Einträge zurück, die bis ins Jahr 2020 reichen. Zum Mitverfolgen taugt das nicht.

Der zweite Gedanke: die Suche. Auch die enttäuscht, und zwar auf eine Art, die man erst nach ein paar Versuchen versteht. Sie verträgt keine Ziffern und keine Bindestriche:

search "Dynamics"        ->  8 Treffer
search "Dynamics 365"    ->  An error occurred invoking 'get_recent_m365_roadmaps'.
search "365"             ->  An error occurred invoking 'get_recent_m365_roadmaps'.
search "model driven"    ->  1 Treffer
search "model-driven"    ->  An error occurred invoking 'get_recent_m365_roadmaps'.
search "Field Service"   ->  5 Treffer

Wer den vollständigen Produktnamen eintippt, bekommt keinen Hinweis auf die Ursache, sondern etwas, das wie ein Serverausfall aussieht. Der Weg über filter funktioniert dagegen zuverlässig.

Die belastbare Antwort: Message Center

Wenn die Roadmap die Power Platform nicht führt, bleibt die eigentliche Frage: Woher erfährt man dann, dass sich etwas ändert?

Ich habe die Kanäle gegeneinander gemessen. Das Ergebnis ist eindeutig — und es ist nicht die Roadmap.

Kanalvergleich: 41 eigene Meldungen im Message Center gegen null in der Roadmap, mit dem Hinweis auf die nötige Administratorrolle.

In 21 Tagen kamen im Message Center 41 eigene Meldungen zu Business Apps an: Power Automate, Project Operations, Customer Service, Field Service, Copilot Studio. Darunter Dinge, die man als Entwickler wissen will — „Power Automate: Create and manage custom dashboard tiles”, „View unattended run video logs in portal”.

Keine einzige dieser 41 Meldungen steht in der Roadmap. Das habe ich nicht über einen Titelvergleich behauptet, sondern in Stichproben direkt am Server gesucht, mit Begriffen ohne Ziffern und Bindestriche:

MeldungSuchbegriffTreffer
MC1472191 Power Automatecustom dashboard tiles0
MC1465653 Power Automateunattended run video logs0
MC1472214 Project OperationsChange Order Management0
MC1465523 Customer ServiceResolve customer emails autonomously0
MC1476008 Field ServiceScheduling Operations Agent0

Das Message Center ist damit heute der einzige Kanal, der Änderungen an der Power Platform vollständig führt. Zu finden ist es im Microsoft 365 Admin Center unter Health → Message center, für die Power Platform zusätzlich im Power Platform Admin Center.

Und hier kommt der unbequeme Teil, auf den ich weiter unten zurückkomme.

Hands-on: den Bestand selbst abfragen

Der MCP-Server der neuen Roadmap liegt offen: https://www.microsoft.com/releasecommunications/mcp, streamable HTTP, keine Anmeldung, keine Lizenz. Vier Werkzeuge: get_recent_m365_roadmaps, get_m365_roadmap_by_id, get_recent_azure_updates, get_azure_update_by_id.

Man kann ihn als Connector in einen Agenten hängen. Man kann ihn aber auch einfach anrufen — das reicht für eine Messung:

const URL = "https://www.microsoft.com/releasecommunications/mcp";
const H = { "Content-Type": "application/json", Accept: "application/json, text/event-stream" };

// Die Antwort kommt als Event-Stream, die Nutzlast steckt in den data-Zeilen.
const ruf = async (body) => {
  const r = await fetch(URL, { method: "POST", headers: H, body: JSON.stringify(body) });
  const text = await r.text();
  let d = null;
  for (const z of text.split("\n")) if (z.startsWith("data:")) d = JSON.parse(z.slice(5).trim());
  return d;
};

const werkzeug = async (name, args) => {
  const a = await ruf({ jsonrpc: "2.0", id: 1, method: "tools/call", params: { name, arguments: args } });
  return JSON.parse(a.result.content[0].text);
};

// Nicht über die Suche gehen, sondern über den Filter - der funktioniert.
const erg = await werkzeug("get_recent_m365_roadmaps", {
  filter: "products/any(p: p eq 'Microsoft Copilot Studio')",
});
console.log(erg.totalCount, "Einträge");
for (const x of erg.items) console.log(x.id, x.generalAvailabilityDate, x.status, x.title);

Was zurückkommt, sieht so aus:

22 Einträge
571196 2026-09 In development  Microsoft Copilot Studio: Cost visibility in Monitor tab
568929 2026-09 In development  Microsoft Copilot Studio: Dataverse integration on Copilot Studio
567894 2027-01 In development  Microsoft Copilot Studio: Share Autonomous Agents to End Users
...

Zwei Dinge sind daran wichtig. Erstens ist generalAvailabilityDate monatsgenau, nie tagesgenau — das entspricht dem, was die Release Plans angegeben haben. Zweitens gibt es include_facets: true; damit bekommt man die Produktliste, die Statusverteilung und die Plattformen in einem Aufruf. Genau so ist die Zählung oben entstanden.

Den kompletten Bestand holt man sich seitenweise über skip, in Fünfzigerschritten. Für 1768 Einträge sind das 36 Aufrufe.

Die Checkliste für die nächsten acht Wochen

  1. Bis zum 15. November den Release Planner weiter nutzen. Dort stehen die 78 Funktionen vollständig und mit Terminen. Was darüber hinaus wichtig ist, jetzt exportieren, nicht erst im November.
  2. Message Center als Hauptquelle einrichten. Im Microsoft 365 Admin Center unter Health → Message center die Produktvorlieben setzen, damit Business Apps nicht im Strom von rund 167 Meldungen pro Woche untergehen.
  3. Für die neue Roadmap den Filter nehmen, nicht die Suche. products/any(p: p eq '<Produktname>') liefert verlässlich; die Suche bricht bei Ziffern und Bindestrichen ab.
  4. Den Status prüfen, nicht nur den Termin. Und daran denken, dass abgesagte Einträge in der Facette fehlen — dafür braucht es status eq 'Cancelled'.
  5. Den Blog als Zusammenfassung mitnehmen. Das monatlich gebündelte Feature-Update im Power-Platform-Blog ist kuratiert und lesbar, aber nicht vollständig.
  6. Eigene Beiträge und Notizen durchsehen, die auf Release-Plan-Seiten verweisen. Diese Links bleiben zwar als Archiv bestehen, beschreiben aber ein Modell, das es nicht mehr gibt.

Was dabei verloren geht

Fangen wir mit dem an, was besser wird. Die neue Quelle ist offen: kein Login, keine Lizenz, eine Schnittstelle, die man in eigene Werkzeuge hängen kann. Sie wird gepflegt — 305 der 1768 Einträge wurden in den letzten 30 Tagen angefasst, die jüngste Änderung stammt vom 18. September. Und statt zweier Stichtage im Jahr kommt Neues laufend herein.

Dem stehen vier Dinge gegenüber, die man kennen sollte, bevor man die Roadmap für eine Planungsgrundlage hält.

Vier gemessene Grenzen der neuen Roadmap: 58 Prozent verstrichene Termine, zwei Monate Horizont, zwölf versteckte Absagen, eine Suche mit Serverfehler.

Termine verfallen still. Von 946 offenen Einträgen haben 544 einen Verfügbarkeitstermin, der bereits verstrichen ist — 58 Prozent. Im Median sieben Monate, im längsten Fall 29 Monate. Der Status wird dabei nicht nachgezogen, der Termin bleibt stehen. Ein Eintrag aus dem April 2024 steht heute noch auf „Rolling out”.

Der Blick nach vorn ist kurz. 274 der 413 künftigen Termine liegen in September und Oktober. Ab Februar 2027 stehen nur noch Einzelfälle. Ein Release Plan war am Erscheinungstag für ein ganzes Halbjahr vollständig, und dieses Fenster war der eigentliche Wert: Man konnte ihn einmal von vorn bis hinten lesen und wusste, was auf einen zukommt. Ein laufender Strom ersetzt das nicht.

Abgesagtes ist versteckt. Die Statusfacette zählt 1756 Einträge, der Bestand hat 1768. Die zwölf mit Cancelled tauchen in der Facette nicht auf und sind nur über den Filter erreichbar. Wer sich von der Oberfläche führen lässt, sieht ausgerechnet die Information nicht, die für die Planung am wichtigsten ist.

Und der ernsteste Punkt: Der Kanal, der die Änderungen heute vollständig führt, hängt an einer Administratorrolle. Die Dokumentation sagt es offen — „Most users assigned any admin role in Microsoft 365 can view Message center posts”. Wer keine Rolle im Mandanten hat, sieht nichts. Release Plans waren öffentlich, ohne Anmeldung, für jeden lesbar. Das Message Center ist es nicht.

Damit verliert genau die Gruppe den Zugang zur vollständigen Quelle, die ihn am meisten gebraucht hat: Entwicklerinnen und Maker ohne Adminrechte, Beraterinnen, die in fremden Umgebungen arbeiten, und alle, die ihre Kunden beraten, ohne dort eine Rolle zu haben.

Für die bleiben der Blog, die Community und Umwege wie das öffentliche Message-Center-Archiv unter mc.merill.net, das dieselben Meldungen ohne Mandantenzugang zeigt. Das funktioniert, ist aber ein Drittangebot, kein Ersatz für eine offene Quelle.

Und jetzt ihr

Ich habe für diesen Beitrag gemessen, was da ist — nicht, was üblich ist. Deshalb die ehrliche Frage in die Runde: Wie erfahrt ihr heute, dass sich in der Power Platform etwas ändert?

Message Center, wenn ihr eine Rolle habt? Der Blog? Eine Community-Liste, ein Newsletter, ein eigenes Skript? Oder ehrlicherweise: erst dann, wenn im Projekt etwas anders aussieht als gestern?

Ich bin sicher, dass es Wege gibt, die ich nicht kenne. Schreibt sie in die Kommentare — ich trage die guten hier nach und verlinke sie.

Siehe auch


Alle Zahlen stammen aus eigenen Abrufen am 21. und 22. September 2026, nicht aus Ankündigungstexten. Der Bestand wurde vollständig geladen und lokal ausgewertet; die Gegenproben liefen direkt gegen den Server. Wer sie nachstellen will, findet den Weg oben im Hands-on-Teil.